Wie moderne Arbeitsmedizin entstehen kann – Die Geschichte eines Betriebsarztes hinter der Arbeitsmedizin Vallendar
- 20. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Mai
Heute sprechen wir mit dem Gründer der Arbeitsmedizinischen Praxis Vallendar über seinen Weg in die Betriebsmedizin, moderne Arbeitsmedizin und die Herausforderungen einer persönlichen Betreuung in einer zunehmend digitalen Arbeitswelt.

Herr Güsewell, wann haben Sie entschieden, Betriebsarzt zu werden?
Um ehrlich zu sein, wusste ich schon früh, dass ich Arzt werden möchte. Der Weg in die Arbeitsmedizin hat sich jedoch erst mit der Zeit entwickelt. Mich hat immer beschäftigt, dass Medizin häufig nur mit Krankenhäusern oder klassischen Praxen verbunden wird, obwohl Gesundheit und Prävention auch im Berufsalltag eine zentrale Rolle spielen.
Gerade in Unternehmen gibt es viele Möglichkeiten, Gesundheit langfristig zu fördern, Belastungen frühzeitig zu erkennen und Menschen präventiv zu begleiten. Dieser Gedanke hat mich letztlich dazu motiviert, den Weg in die Betriebsmedizin einzuschlagen und später die Arbeitsmedizinische Praxis Vallendar aufzubauen.
Wie waren Ihre Anfänge in der Arbeitsmedizin?
Während meiner Weiterbildung konnte ich viele Erfahrungen im arbeitsmedizinischen Bereich sammeln und unterschiedliche Unternehmensstrukturen kennenlernen. Dabei wurde mir schnell bewusst, wie wichtig eine persönliche und verlässliche Betreuung für Unternehmen und Mitarbeitende ist.
Mir war immer wichtig, Arbeitsmedizin nicht nur als gesetzliche Pflicht zu verstehen, sondern als Möglichkeit, Unternehmen aktiv zu unterstützen – mit Prävention, Beratung und einem vertrauensvollen Austausch. Ich bin mir immer sicher, dass ich in erster Linie Arzt und erst in zweiter Linie Unternehmer bin.
Letztendlich arbeiten wir mit Menschen. Hinter jedem Arbeitsplatz steht eine Person mit individuellen Belastungen, Herausforderungen und gesundheitlichen Bedürfnissen. Gleichzeitig tragen Unternehmen eine große Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitenden. Genau dieses Zusammenspiel prägt auch unsere tägliche Arbeit.
Wie schaffen Sie es, trotz Wachstum einen persönlichen Ansatz beizubehalten?
Der persönliche Kontakt ist für mich ein zentraler Bestandteil moderner Arbeitsmedizin. Deshalb versuche ich, Unternehmen zunächst selbst kennenzulernen und gemeinsam zu analysieren, welche Betreuung tatsächlich sinnvoll und notwendig ist.
Mir ist wichtig, keine standardisierten Lösungen anzubieten, sondern individuelle Konzepte zu entwickeln, die wirklich zum Unternehmen passen.
Ebenso entscheidend ist für mich das ärztliche Team. Neben fachlicher Qualifikation spielen Motivation, Verantwortungsbewusstsein und echte Freude an der Arbeitsmedizin eine große Rolle. Denn nur so kann langfristig eine persönliche und vertrauensvolle Betreuung entstehen.

Viele Unternehmen sprechen aktuell über den Fachkräftemangel im medizinischen Bereich. Wie erleben Sie diese Entwicklung?
Der Fachkräftemangel ist auch in der Arbeitsmedizin spürbar. Umso wichtiger sind gute Arbeitsbedingungen, eine wertschätzende Zusammenarbeit und langfristige Perspektiven für medizinisches Personal.
Ich bin überzeugt, dass Qualität vor allem durch engagierte Menschen entsteht. Deshalb legen wir großen Wert auf Zusammenarbeit, Weiterbildung und ein Arbeitsumfeld, in dem Verantwortung und Teamarbeit gefördert werden.
Was ist Ihrer Meinung nach der wichtigste Erfolgsfaktor in der Arbeitsmedizin?
Offen für Veränderungen zu bleiben. Die Arbeitswelt entwickelt sich ständig weiter und damit verändern sich auch die Anforderungen an Unternehmen und Betriebsärzte.
Für mich bedeutet moderne Arbeitsmedizin, medizinisches Wissen mit Prävention, Kommunikation und einem guten Verständnis für betriebliche Abläufe zu verbinden. Ebenso wichtig ist die Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen, beispielsweise mit Sicherheitsingenieuren oder Personalverantwortlichen.
Welche Herausforderungen sehen Sie in Zukunft für Betriebsärzte?
Die Arbeitswelt wird zunehmend digitaler und technischer. Gleichzeitig bleibt der Mensch weiterhin im Mittelpunkt. Themen wie Ergonomie, psychische Belastungen, Prävention und zwischenmenschliche Kommunikation werden künftig sogar noch wichtiger werden.
Eine große Herausforderung sehe ich darin, den persönlichen Kontakt nicht zu verlieren. Arbeitsmedizin sollte nicht nur „auf dem Papier“ stattfinden. Mitarbeitende sollten das Gefühl haben, wahrgenommen und ernst genommen zu werden.
Technologie kann uns dabei unterstützen, Risiken früher zu erkennen und Prozesse effizienter zu gestalten. Den persönlichen Austausch kann sie jedoch nicht ersetzen.
Abschließend: Welche Eigenschaften sollte ein guter Betriebsarzt mitbringen?
Erstens: Eine echte ärztliche Berufung mit Blick auf den Menschen hinter dem Arbeitsplatz. Wer den Wunsch verliert, Menschen zu helfen, verliert den wichtigsten Teil dieses Berufs.
Zweitens: Die Fähigkeit, zuzuhören und klare Lösungen anzubieten. Gute Arbeitsmedizin beginnt immer mit Verständnis für die tatsächlichen Herausforderungen im Unternehmen.
Drittens: Verantwortungsbewusstsein und Verlässlichkeit. Unternehmen vertrauen dem Betriebsarzt einen sensiblen Bereich an – dieses Vertrauen muss man sich verdienen.
Viertens: Teamfähigkeit und Offenheit für Zusammenarbeit. Moderne Arbeitsmedizin funktioniert nur gemeinsam mit Unternehmen, Führungskräften und anderen Fachbereichen.
Fünftens: Menschlichkeit. Mitarbeitende sollten nicht das Gefühl haben, nur eine Nummer oder ein Termin zu sein. Persönlicher Kontakt und echte Betreuung bleiben auch in einer modernen Arbeitswelt entscheidend.
Denn gute Arbeitsmedizin bedeutet letztlich vor allem eines: Menschen langfristig gesund und Unternehmen nachhaltig handlungsfähig zu halten.



